Thursday, February 28, 2008

Eine kurze Betrachtung der ‚Zeitzonik’

Für den modernen Jet-Set Menschen werden Begriffe wie Zeit und Raum relativ. Ich in Kanada, Jenny in China, Friedrich in den USA, die Heimatzeit und die, die in ihr leben, in Deutschland.

1. Grundlagen
1.1 Raum
In einem dunklen und lautlosen Raum kann keine Vorstellung darüber entstehen, welche Abmessungen selbiger hat. Ist er jedoch hell und geräuscherfüllt kann sich das Gehirn aus diesen Informationen eine Vorstellung machen, in welcher Umgebung sich sein(e) Besitzer(in) befindet.

1.2 Zeit
Im Gegensatz dazu verfügt das Hirn nicht über eine Art Zeitsinn. Was Zeit ist, ist seit Urzeiten Gegenstand wissenschaftlicher und philosophischer Überlegungen. Bis heute ist es nicht gelungen, das Phänomen zu begründen. Das menschliche Empfinden, das Zeit vergehe, entspricht nicht den physikalischen 'Erkenntnissen'. Dort vergeht Zeit nicht, sie stellt irgend was anderes dar. Der witzige und eigenartige Mensch bastelt sich einen Begriff.

2. Hat also jeder Ort seine eigene Zeit?
Sandford Fleming hätte widersprochen: Der Begriff verschiedener Ortszeiten ist physikalisch gesehen nicht korrekt: Wenn jeder Meridian seine eigene Zeit besässe, wie viele Zeiten würden dann an den beiden Polen koexistieren, an denen die Meridiane ja bekanntlich zusammenlaufen? Es kann eigentlich für diese Welt nur «eine» Zeit geben, und um diese ‚kosmische Zeit’ rang Fleming Jahrzehnte.

2.1 Unsere Zeit: eine neumodische Errungenschaft
Fleming war kanadischer Eisenbahndirektor und er kannte daher die Sorgen seiner Schaffner gut. Diese hatten ein immer weiter wachsendes Eisenbahn-Streckennetz zu verwalten. Auch Fleming selbst ärgerte sich darüber, umfangreiche Fahrplantabellen studieren zu müssen, nur weil jeder Bahnhof seine eigene Zeit hatte! Es war nämlich durchaus möglich, dass auf einem Bahnhof zwei Züge nebeneinander standen, deren jeweils 'eigene' Zeit (die sie im Zug 'transportiert' hatten) nicht der Ortszeit des Bahnhofs entsprach!!

3. Und Jetzt:
Flemings Einsatz ist es zu verdanken, dass sich im Oktober des Jahres 1894 eine internationale Kommission ‚Zeit für die Zeit’ nahm. Diese fasste den folgenreichen Beschluss, eine allgemein verbindliche Weltzeit einzuführen: Als Nullmeridian wurde der Längengrad der englischen Sternwarte in Greenwich festgelegt, ferner einigte man sich auf 24, jeweils um eine Stunde voneinander entfernte Zeitzonen. Seither beginnt der Welttag um Mitternacht am Meridian von Greenwich. Alle anderen Zeiten der Welt sind durch Flemings Bemühungen in einem verlässlichen +- Verhältnis zur GMT angegeben. Geilomat.

4. Happy Birthday!
Wenn Frank am „Mi., 12.03.08, 20 Uhr, im ‚Starbowl’ (ihre Bowling-Anlage mit Herz in Heidelberg) im Landfried-Komplex, neben der Nachtschicht“ seinen Geburtstag feiert, kann ich ihm und den anwesenden Hausballrotierern aus der Ferne Kanadas um 2:00 Uhr nachts die Daumen drücken. Geilomat hoch Zwei (Uhr)!!





Zur Einstimmung zum Kegeln (auch wenn es mal wieder bitter anzuschauen ist…)
ein Ausschnitt aus der Stromberg-Folge ‚Bowling’:

Friday, February 22, 2008

Chill Out

Runterkommen. Ruhig werden. Traeumen.

Hier ein paar sanfte Melodien aus Genre-Filmen der 60er, 70er und frühen 80er Jahre.
Fliessend, melancholisch, schön.
Fuer einsame Tage am Schreibtisch, vielleicht auch fuer romantische Abende zu zweit.

Track 1
Track 5
Track 14

Seidene Musik (.zip-Datei, 65MB):
Juergens Sleazy Chill Granaten

Thursday, February 21, 2008

Armut und Wortreichtum

Gestern in der Stadt gewesen. Einen abgerissenen Typen gesehen. Im Gespraech stellt sich raus, dass er eine 'novel' herausgeben moechte. Ein Blatt mit zwei von ihm verfassten Gedichten zum Spottpreis von einem Dollar erstanden.

Samuel Douglas:
Sorry Rain

Fleshy rain hangs
From bony fangs
Lieked off from
A sting stung rung
In butcher's bangs
Sorry refrains
Echoing within bullet range
Writing the sponge that
Starts again
to meet a ghost that cannot
Gain flesh licked clean
By sorry rain

Tuesday, February 19, 2008

Bilitis und die Arnolfini Hochzeit

Der ein oder andere mag vielleicht wissen, dass ich grosser Fan von Musik aus Filmen wie "Profondo Rosso", "Erotic Nights of the Living Dead", "Bilitis" und anderem Quatsch bin. Die Musik ist mit einem Wort wie 'sleazy' gut getroffen- Gratwanderung zwischen Kitsch und Kunst.

Da treib ich mich also im Weltnetz rum auf der Suche nach diesem einen Track aus Bilitis und mache eine Entdeckung, die sich gar nicht auf den Soundtrack, aber auf den 'sleaze' bezieht.

Der ganze Bilitis-Film atmet diese Atmosphaere aus Weichzeichner, Maedchenliebe und Fahrrad fahren im Sommer, was ja eigentlich kitschig ohne Ende ist, aber immer wieder wartet er mit ein paar Verweisen auf aesthetische Traditionen der bildenden Kunst auf, die man leicht uebersieht. Hier ein Beispiel, es ist ab Sekunde 45 im Bild:




Das Motiv, das hier zitiert wird stammt aus dem Gemaelde "Die Arnolfini-Hochzeit" des flämischen Malers Jan van Eyck. Es entstand 1434 in Brügge.

Die Darstellung des Spiegels erfuellt in der Kunstgeschichte eine ganz bestimmte Funktion. In seiner "Hochzeit des Giovanni Arnolfini" (1434) treibt Jan van Eyck dies auf die Spitze. Mehr dazu hier). Das ganze Bild:

Wer sich ein bisschen mit der Thematik beschaeftigt wird auch auf Michels Foucaults "Las Meninas" Aufsatz stossen und auf David Teniers "Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Gemäldegalerie in Brüssel"

Im weiteren Verlauf vielleicht auf Marc-Antoine Mathieus "Die Zeichnung"

...und wer sich an den blog Beitrag zu Dario Argentos "Profondo Rosso" und die Selbstreflexion im Glanz der metallenen Kugel erinnert, wird moeglicherweise sich selbst wieder erkennen :-)

Achja, noch was zu dem Hündchen, das im Arnolfini Bild spitzbübisch den Betrachter anschaut. Gleich zwei davon sind im untenstehende Bild zu sehen. Es trägt den Titel "Portrait of Lina Bilitis With Two Pekinese" (Giovanni Boldini, 1913). Zufall?





Never ending story... und noch jemand, der sich der Arnolfinis bemächtigt hat und sie zur Illustration des ewigen Hin und Her zwischen Mann und Frau nutzt. Hier also 'gender studies' im deutschen Intro zu 'Desperate Housewifes'. Gut beobachtet von Jenny!


Sunday, February 17, 2008

Wer kennt das nicht...?

Ein beliebter Anfangssatz schlechter Journalisten, die besorgt sind, dass ihr wichtiger Artikel vom potentiellen Leser ueberblaettert werden koennte, lautet: "Wer kennt das nicht... ?" - Geniale Idee, so fuehlen sich gleich alle angesprochen, denn schliesslich glaubt doch jeder zumindest etwas zu kennen.
Legitimiert durch diese Reflexion moechte auch ich heute damit beginnen:

Wer kennt das nicht... ? Man muss eine Sache erledigen, doch weil die Aufgabe 'nicht die fesselndste' ist, laesst man sich ablenken. In der library funktioniert das auch prima. Untenstehend ein clip dazu. (Dass die 6min, bis die Grille eine Loesung des Problems findet, durchaus nervig anzusehen sind, liegt wohl schon im Thema angelegt.)

Thursday, February 14, 2008

Einkaufen in Kanada

Gerade war ich einkaufen und habe extra den Fotoapparat mitgenommen. Komm mit auf eine Minitour durch den 'food basics' Supermarkt, Kingston, Ontario, Kanada! Zuerst hab ich den Einkaufswagen durch den Getränkegang geschoben:

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Tatsächlich gibt’s hier auch Wein, ohne Alkohol allerdings. Den sollen die mal schön selber trinken. Kein Zufall, dass die Limo grad daneben steht. Wein ohne Alkohol? Ist das dann wieder Traubensaft? Mmmh. Ich hab den Wagen weiter geschoben, bis ich zum Gewürzregal gekommen bin:

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Sowohl das karibische Kürripuder als auch meinen würzigen Namensvetter hab ich in den Einkaufswagen gelegt. Das aber schon bei einem früheren Einkauf. Ich setze diese Gewürze nur sehr sparsam ein, sie schmecken ‚gewöhnungsbedürftig’. Das Kürri hat so einen bananigen Beigeschmack, das Jerk Seasoning schmeckt wie geräucherter Lebkuchen, der in eine Mischung aus Rotwein und Fleischbrühe getunkt wurde... not my cup of tea. Überhaupt... Jerk Seasoning... wer weiss, woraus das gemacht wird? Wer will es wissen? Anyway... direkt neben den Gewürzen standen die Konservendosen:


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Kannst Du’s lesen? Die Kontrabassbohne sagt: „Get ready to listen“, die lila Bohne: “Eat & Music will follow.” Na, wenn das mal kein Versprechen ist. Wie die Fernsehwerbung für dieses Produkt wohl aussieht? Nett auch: die Dose ‚9th Symphony’ zu nennen. Will da etwa jemand unseren Beethoven verarschen? Diese Dosen blieben im Laden. Die Katastrophe mit den Gewürzen aus dem Weglass-Regal hat mich vorsichtig werden lassen. (Und es ist ja geradezu Verschwendung, erst gezielt das Essen zu würzen, danach aber unkontrolliert das selbe mit seiner Umgebung zu tun.) Gerade höre ich übrigens Gnarls Barkley. Ischs besser.

Hier im Bild: Ich und das Getränk für den trendigen Deppski (canadisch: ‚Full Throttle’). Ich hab mal ne Dose mitgenommen. Fazit: Dumm schmeckt gut!!

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Als mein Wagen mit diesen und anderen Exotika gefüllt war, bin ich heim. Schon auf dem Weg: voll der Hunger, was essen? Dann, angekommen in der Mansarde die Frage, was isst man typischerweise in Kingston? Na, ist doch klar... die unsterblichen Zeilen eines weltberühmten Sohnes der Stadt sind mir eingefallen. Bob Marley macht immer gute Stimmung! Und schließlich heisse ich ja auch 'Georgie', also schnell, die cornmeal porridge Dose aus der Tüüüte! Willsch auch was ab? Bei der Zubereitung hab ich gesungen.

No Woman, no cry...

"Said said said I remember when we used to sit
in the government yard in Trenchtown.
And then Georgie (das bin ich!!) would make the fire lights
I say our love was burning through the nights yea
And we would cook cornmeal porridge
I say of which I'll share with you... (YOU!!)

Ich hoffe, es hat Dir geschmeckt! Es ist auch noch was da, falls Du'n Nachschlag willscht. "Soweit für heit", in die digitale Ferne singe ich noch ein paar Zeilen von Bob Marley:

"My feet is my only carriage so I've got to push on through.
But while I'm gone

Ev'rything's gonna be allright
Ev'rything's gonna be allright
Ev'rything's gonna be allright now
Ev'rything's gonna be allright
... ."


Sunday, February 10, 2008

Bilder einer Ausstellung

Gestern war ich auf einer schoenen Vernissage, wo Fotos ausgestellt wurden. Von denen habe ich mich inspirieren lassen und Fotos von den Fotos gemacht, die nun hier ausgestellt werden sollen. Willkommen also zur digitalen Vernissage! Sekt gibts keinen, aber falls sich jemand doch ein Piccolo Flaeschchen dazu oeffnen moechte, ich warte so lange und sage dann..."Wohl bekomms."

odd man out
Bild 1. "Odd man out.... Wo hat sich das Nicht Bild versteckt?"

guy needs a drink

Bild 2. "Guy needs a drink, hm?"

wasser undkristall


Bild 3. Achtung> arty farty: "Ohne Titel"

Und nun, das ganze als Film? Ich rate vor dem Anschauen kurz inne zu halten, und sich auf die Gefuehle, die sich bisher beim "Gang" durch die Ausstellung eingestellt haben, zu besinnen -sie werden nach dem Anschauen des Videos naemlich nicht mehr da , zumindest nie mehr dieselben sein.
Im Video unten passiert nichts Ungewoehnliches, tatsaechlich ist es so aussagelos und verwackelt, dass es eigentlich nicht wert waere, gepostet zu werden. Aber da an dieser Stelle gezeigt werden kann, wie sich das Medium 'Video' der Wahrnehmung und der Erinnerung bemaechtigt, poste ich es hier. Also... take a deep click.



Ein Minifilm nur, aber: Wer sich nun die Fotos oben noch einmal anschaut, wird nicht umhin koennen, sie mit den im Video gesehen Klaengen und Raumeindruecken in Verbindung zu bringen. Ich zumindest stelle fest, dass sich zwischen die, zuvor im Geiste 'still' angeschauten, Fotos nun eine medial vermittelte Eindruckswand geschoben hat.
Die Betrachtungsrealitaet hat sich veraendert, die Bilder haben ihre 'Unschuld' verloren.
Um diesen Verlust der Unschuld -und damit um die Schuld des Mediums 'Videos'- geht es in David Lynchs "Lost Highway". Meine Lieblingsstelle ist daher die, wenn Fred auf die Frage antwortet, warum er keine Videokamera habe. Er sagt:

"I like to remember things my own way - not necessarily the way they happened."

- Fred Madison (Bill Pullman) in Lost Highway

Hier der Trailer, in dem auch der oben zitierte Satz faellt. Nach dem Schauen kann man natuerlich die Fotos erneut betrachten, wieder mit einem anderen Bewusstsein. Aber was ist dann 'real'?



Sunday, February 3, 2008

Freiluftgemaelde

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Die Natur. Hier offenbart sie sich von einer Seite, die trotz der Lebensfeindlichkeit der eisigen Darstellung das aesthetische Empfinden anspricht. Aes-the-tisch...Essen und Teetische, Essen von Stehtischen, Halt! heisse Wurst und dazu Pommis und Ketschapp. Jaaaaa. Und wenn der Schnee mal gelb ist, dann war das halt der Sempf.

Hoehlengleichnis

Zeitlosigkeit- jeden Tag
wird sie schlimmer
Aus 'eben grad'
wird so leicht ein 'schon immer'

Der Teppich, die Regale
geschuetztes Wohnzimmer
Abstraktion - verbale
Schablone, Dimmer


Eisblumen wachsen
Schnee faellt vor dem Fenster
Die Tage graue Spatzen
die Naeechte Gespenster


Der Gang nach draussen
lohnt nimmer.













Friday, February 1, 2008